BERLIN/BRÜSSEL – Die dänische Regierung hat beschlossen, die Nerzzucht zu beenden. Damit stellt sie den Tierschutz über die wirtschaftlichen Interessen der sieben verbliebenen Pelztierfarmen des Landes. Dänemark war einst der weltweit größte Produzent von Nerzpelz. Das Land wird jedoch keine Ausnahmegenehmigung bei der Europäischen Kommission beantragen, die nach der EU-Verordnung über invasive gebietsfremde Arten erforderlich wäre, um die Nerzzucht fortzuführen. Das Verbot der Haltung Amerikanischer Nerze tritt im August 2027 in Kraft.
Dr. Joanna Swabe, Senior Director für Public Affairs bei Humane World for Animals Europe, sagt: „Dies ist eine wegweisende Entscheidung. Wir begrüßen, dass die dänische Koalitionsregierung einer grausamen Industrie ein Ende setzt, die Nerze ausschließlich für Pelzmode in kleine Drahtkäfige sperrt. Einst der weltweit größte Pelzproduzent, verbannt Dänemark diese Industrie nun in die Vergangenheit und schließt sich den EU-Mitgliedstaaten an, die die Pelztierzucht wegen schwerwiegender Tierschutzbedenken beendet haben. Die Europäische Kommission muss dieses Signal ernst nehmen und ein EU-weites Verbot der Pelztierzucht auf den Weg bringen, wie es mehr als 1,5 Millionen Bürger*innen mit ihrer Unterschrift unter die Europäische Bürgerinitiative ‚Fur Free Europe‘ gefordert haben.“
Neben der geringen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung der Nerzzucht scheint die wissenschaftliche Stellungnahme der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zum Wohl von Tieren auf Pelztierfarmen ausschlaggebend für die Entscheidung der dänischen Regierung gewesen zu sein. Die Empfehlungen der EFSA unterstreichen, dass sich das Wohl der Tiere im derzeitigen Haltungssystem mit Käfigen nicht wesentlich verbessern lässt.
Vor der COVID-19-Pandemie gab es in Dänemark 1.147 Nerzfarmen. Nachdem auf 290 Pelztierfarmen SARS-CoV-2-Ausbrüche festgestellt worden waren, wurden alle 17 Millionen Nerze auf den Pelztierfarmen des Landes getötet. Die Ausbrüche führten zu Hunderten COVID-19-Fällen bei Menschen, die durch Virusvarianten aus Nerzen verursacht wurden. Die Nerzzüchter*innen erhielten mehr als drei Milliarden Euro als Entschädigung für ihre Verluste. Nur wenige nahmen die Nerzzucht wieder auf, nachdem ein vorübergehendes Zuchtverbot aufgehoben worden war.
Der Amerikanische Nerz wurde 2025 in die EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung aufgenommen. Ab dem 7. August 2027 gilt für ihn ein Haltungs- und Zuchtverbot. Nach Artikel 9 der Verordnung über invasive gebietsfremde Arten können Mitgliedstaaten in Ausnahmefällen eine Genehmigung der Kommission beantragen, um die Zucht aus „zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses, einschließlich solcher sozialer oder wirtschaftlicher Art“ fortzuführen. Nationale Genehmigungen setzen voraus, dass die Kommission zuvor zugestimmt hat und strenge Maßnahmen gelten, um die Tiere sicher unterzubringen, ihr Entkommen zu verhindern und auf Notfälle vorbereitet zu sein. Finnland hat seinen Antrag bedauerlicherweise bereits eingereicht.
Humane World for Animals Europe gratuliert ihrer Partnerorganisation Anima aus der Fur Free Alliance, die sich seit Jahrzehnten unermüdlich dafür einsetzt, die Grausamkeit der Pelztierzucht aufzuzeigen und dazu beizutragen, die öffentliche Haltung gegenüber der Industrie in Dänemark zu verändern.
In Dänemark gibt es weiterhin eine Handvoll Chinchillafarmen, die Pelz produzieren.
Fakten über Pelz:
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Die Pelztierzucht ist bereits in 24 europäischen Ländern verboten, darunter 18 EU-Mitgliedstaaten. Dennoch werden auf fast 1.200 Pelztierfarmen in der EU noch immer mehr als sechs Millionen Nerze, Füchse, Marderhunde und andere Tiere in kleinen Drahtkäfigen gehalten.
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Laut dem Bericht A full-cost account of the EU fur industry aus dem Jahr 2025 ist die Pelztierzucht in der EU stark zurückgegangen und folgt damit einem weltweiten Trend. Die Zahl der Tiere, die für ihr Fell getötet und gehäutet werden, ist im vergangenen Jahrzehnt um 86 % auf 6,3 Millionen Tiere im Jahr 2024 gesunken. Der Verkaufswert der Felle ist im selben Zeitraum um 92 % auf geschätzte 183 Millionen Euro im Jahr 2024 zurückgegangen. Wenn die bestehenden Übergangsfristen bis 2028 auslaufen, dürfte die Produktion um weitere 15 bis 20 % sinken.
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Die meisten führenden Designer*innen und Modehäuser verzichten auf Pelz, darunter Max Mara, Saint Laurent, Gucci, Alexander McQueen, Balenciaga, Valentino, Prada, Armani, Versace, Michael Kors, Jimmy Choo, DKNY, Burberry und Chanel. Modehäuser setzen auf innovative, nachhaltige und tierleidfreie Alternativen.
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Fashion Weeks wie in Kopenhagen, London und New York haben den Einsatz von Pelz bei ihren Events bereits gestrichen, und Verlage von Titeln wie Vogue, Elle, GQ, Harper’s Bazaar, Glamour, Esquire und Vanity Fair haben sich zu pelzfreien Unternehmensrichtlinien verpflichtet.
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