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Wie Reisende Wildtiere schützen können, statt ihre Ausbeutung zu fördern

Humane World for Animals gibt praktische Tipps, wie sich Tierleid hinter Wildtierattraktionen, Tierbegegnungen und touristischen Angeboten vermeiden lässt.

An elephant stands inside a covered enclosure, secured by a chain.

Humane World for Animals

BERLIN – Wildtiere zu beobachten, gehört für viele Menschen zu den schönsten Reiseerlebnissen. Doch hinter vielen Attraktionen, die Tourist*innen angeboten werden, steckt eine grausame Industrie, die Wildtiere zu Unterhaltung, Requisiten, Fotomotiven und Handelsware macht. Humane World for Animals (ehemals Humane Society International) gibt Tipps für tierleidfreie Reiseangebote. 

„Was für Reisende wie ein unvergessliches Erlebnis aussieht, bedeutet für die betroffenen Wildtiere oft ein Leben voller Leid“, sagt Nicola White, Wildtierexpertin bei Humane World for Animals. „Wildtiere in Gefangenschaft werden nur allzu oft zu einem Leben gezwungen, das von stressigen Transporten und ständigen Interaktionen mit Menschen geprägt ist. Unter dem Deckmantel von Unterhaltung, Artenschutz oder Rettung dienen sie dazu, Einnahmen zu generieren. Die Nachfrage nach solchen Erlebnissen treibt ein Geschäft an, das den Fang, die Zucht und den Handel mit Wildtieren umfasst. Gleichzeitig setzt es die Tiere Tag für Tag erheblichem Stress aus und lässt ihnen oft kaum Möglichkeiten, ihr natürliches Verhalten auszuleben. Dieses Geschäftsmodell hat eine gefährliche Bilanz, sowohl für Tiere als auch für Menschen.“

Humane World for Animals gibt praktische Tipps für tierfreundlicheres Reisen:

1. Unterhaltung ohne Tiere unterstützen

Weltweit werden Wildtiere in Zirkussen, auf Jahrmärkten und bei anderen Veranstaltungen eingesetzt, um Menschen zu unterhalten. Die Tiere werden häufig darauf trainiert oder dazu gezwungen, unnatürliche Kunststücke vorzuführen, auf Bühnen aufzutreten oder an Shows und Vorführungen teilzunehmen. Manche wurden der Wildnis entnommen oder schon in jungen Jahren von ihren Müttern getrennt. Viele leben unter unzureichenden Bedingungen, erhalten kaum tierärztliche Versorgung und haben nur wenige Möglichkeiten, sich zu bewegen oder ihr natürliches Verhalten auszuleben.

Reisende können dazu beitragen, die Nachfrage nach dieser Form der Tierquälerei zu verringern, indem sie Angebote meiden, bei denen Wildtiere zur Unterhaltung eingesetzt werden.

2.  Direkten Kontakt mit Wildtieren vermeiden

Direkte Begegnungen mit Wildtieren, etwa beim Waschen, Bürsten, Streicheln, Reiten, Schwimmen oder Füttern, haben oft einen hohen Preis für die Tiere. Kamele, Elefanten und andere Tiere werden häufig gezwungen, Tourist*innen über lange Zeiträume zu tragen. Delfine und andere Meeressäuger werden für Schwimm- und Kontaktangebote in Gefangenschaft gehalten. Löwen werden gezüchtet oder gezielt daran gewöhnt, den Kontakt mit Menschen zu tolerieren. Viele dieser Tiere sind unzureichend versorgt, körperlich misshandelt, überlastet und gestresst davon, ständig angefasst oder kontrolliert zu werden.

Direkter Kontakt birgt zudem Risiken für Tiere und Menschen. Wildtiere können unvorhersehbar reagieren, wenn sie sich gestresst oder bedroht fühlen. Schwere Zwischenfälle können tödliche Folgen haben. Reisende können helfen, indem sie Angebote wählen, bei denen Wildtiere aus angemessener natürlicher Distanz beobachtet werden können.

3. Keine Fotos mit Wildtieren

In manchen Urlaubsorten werden Wildtiere in Restaurants, Hotels und andere touristische Einrichtungen gebracht, damit Besucher*innen mit ihnen posieren und Fotos machen können. Affenbabys, junge Löwen, bunte Papageien und andere Tiere werden als Fotomotive präsentiert oder von Person zu Person gereicht. Sie werden ständig angefasst und sind häufig nur mangelhaft mit Futter, Wasser, Schutz oder tierärztlicher Betreuung versorgt. Manche Tiere werden sediert oder in kleinen Käfigen gehalten und ausgesetzt, sobald sie krank werden, zu alt sind oder für Tourist*innen ihren Reiz verlieren. Anderen werden Zähne oder Krallen entfernt, damit sie leichter zu handhaben sind.

Reisende können helfen, indem sie keine Fotos mit Wildtieren machen und ihre Bedenken gegenüber Restaurantbesitzer*innen, Reiseleiter*innen oder zuständigen Behörden äußern.

4. Keine Souvenirs kaufen, die Wildtieren schaden

Produkte aus Wildtieren, die als Souvenirs verkauft werden, sind Teil eines globalen Handels, der Wildtierbestände gefährdet, Tierleid verursacht und Ökosysteme schädigt. Viele Reisende tragen unbewusst dazu bei, indem sie Produkte kaufen, die aus Teilen von Tieren hergestellt wurden.

Vor dem Kauf sollten Reisende prüfen, ob ein Souvenir Materialien wie Elfenbein, Knochen, Schildpatt, Pelz, Leder von Wildtieren oder Korallen enthält. Wenn Zweifel bestehen, ob ein Souvenir tierische Bestandteile enthält, ist es am sichersten, darauf zu verzichten, auch wenn Verkäufer*innen etwas anderes behaupten.

5. Über die Botschaft von Wildtierfotos nachdenken

Die Auswirkungen einer Begegnung mit Wildtieren reichen oft weit über den Moment oder das Reiseziel hinaus. Fotos und Videos in sozialen Medien, die Menschen beim Halten, Berühren oder Posieren mit Wildtieren zeigen, können fälschlicherweise den Eindruck vermitteln, solche Interaktionen seien harmlos. Dadurch steigt die Nachfrage nach Begegnungen mit Wildtieren und sogar nach Wildtieren als Haustiere.

Humane World for Animals rät, Beiträge, die Menschen im Umgang mit Wildtieren zeigen, nicht zu liken, zu teilen oder weiterzuverbreiten, und Inhalte zu melden, die die Ausbeutung oder Misshandlung von Tieren darstellen.

White ergänzt: „Mit bewussten Entscheidungen können Reisende dazu beitragen, die Nachfrage nach der Ausbeutung von Wildtieren zu verringern, Tieren das Leben zu retten und einen tierfreundlicheren Tourismus zu fördern.“

Ein Video zum Thema tierfreundliches Reisen steht hier zur Verfügung.

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