BERLIN – Vor dem weltweiten Kinostart von „Michael“, dem biografischen Film über das Leben von Michael Jackson, erklärt Humane World for Animals (ehemals Humane Society International), dass die unkritische filmische Darstellung von Wildtieren, die als Haustiere gehalten werden, zu einem besorgniserregenden Anstieg der Nachfrage führen könnte. Diese Sorge bezieht sich insbesondere auf die Darstellung eines Schimpansen namens Bubbles.
Bubbles war ein wichtiger Teil von Michael Jacksons Leben und es ist verständlich, dass er im Film vorkommt. Allerdings wird Bubbles im Film als handhabbarer und anhänglicher Gefährte dargestellt, der in einer häuslichen Umgebung lebt. Diese Darstellung übergeht die traurige Realität: die Grausamkeit, die Gefahren und die Tatsache, dass sich Primaten aufgrund ihrer komplexen Bedürfnisse als Wildtiere nicht als Haustiere eignen sowie der erheblichen Sicherheitsrisiken im Umgang mit Menschen.
Selbst wenn die Tiere mithilfe von CGI (computergenerierten Bildern) erschaffen wurden, bleiben diese Darstellungen problematisch. Wildtiere so zu zeigen, als würden sie in Privathaushalten gut leben, verstärkt den Irrglauben, dass solche Umgebungen für sie geeignet sind. Darstellungen von Tierfiguren können einen Anstieg der Nachfrage nach diesen Wildtierarten als Haustiere auslösen, weil Zuschauer*innen die auf der Leinwand gezeigte Beziehung zum Tier nachahmen möchten. So führte der Film „Findet Nemo“ aus dem Jahr 2003 weltweit zu einem starken Anstieg der Nachfrage nach Clownfischen. Auch das Franchise „Teenage Mutant Ninja Turtles“ löste eine erhöhte Nachfrage nach Schildkröten als Haustiere aus.
Kurz dem Kinostart von „Michael“ sagt Audrey Delsink, Senior Director, Wildlife, bei Humane World for Animals: „Wildtiere wie Schimpansen haben komplexe körperliche, soziale und verhaltensbezogene Bedürfnisse, die in Privathaushalten nicht erfüllt werden können, egal wie gut die Absichten der Halter*innen sind. Obwohl diese Tiere in häuslicher Gefangenschaft überleben können, darf Überleben nicht mit Wohlbefinden verwechselt werden. Wir fordern die Öffentlichkeit auf, zu erkennen, dass Wildtiere in ihre natürlichen Lebensräume gehören. Romantische Darstellungen von Wildtieren als Gefährten in Filmen können die Nachfrage nach diesen Arten als Haustiere fördern und mehr Tiere dem Risiko aussetzen, aus der Wildnis gefangen zu werden oder ein Leben lang in Privathaushalten zu leiden. Schimpansen wie Bubbles sind zudem unglaublich starke Tiere, die eine echte Gefahr für die Öffentlichkeit darstellen können, sobald sie ausgewachsen sind. Wie alle Wildtiere, die in engem Kontakt mit Menschen gehalten werden, behielt Bubbles trotz Gefangenschaft seine natürlichen Instinkte. Wie so oft wurde auch er, als er größer, stärker und schwerer zu kontrollieren wurde, schließlich an einen Tiertrainer aus Kalifornien gegeben und 2005 in ein akkreditiertes Schutzgebiet in Florida gebracht. Primaten als Haustiere zu halten und sie abzugeben oder umzusiedeln, sobald sie nicht mehr niedlich und leicht zu handhaben sind, führt zu körperlichem und psychischem Stress mit langfristigen schädlichen Auswirkungen auf das Wohl der Tiere.“
Bubbles wurde in den 1980er-Jahren in einem biomedizinischen Labor in Texas geboren, bevor Jackson ihn übernahm. Kathleen Conlee, Vice President, Animal Research Issues, bei Humane World for Animals, sagt: „Durch meine direkte Arbeit mit Schimpansen aus Laboren weiß ich aus eigener Erfahrung, wie intelligent und sozial diese Tiere sind und was sie brauchen, um sich von solch traumatischen Bedingungen zu erholen. Wenn Schimpansen als gut handhabbare Gefährten dargestellt werden, blendet das ihre komplexen Bedürfnisse und den bleibenden Schaden aus, der entstehen kann, wenn man sie in von Menschen kontrollierten Umgebungen hält. Gleichzeitig prägt es die öffentliche Wahrnehmung so, dass es als normal gilt, Wildtiere zu Unterhaltungszwecken oder zur privaten Nutzung zu halten.“
Dieses Thema ist besonders in Europa relevant, einem der weltweit wichtigsten Märkte und Transitknotenpunkte für Wildtiere, die als Haustiere gehalten werden. Schätzungen zufolge leben derzeit Millionen solcher Tiere in privaten Haushalten. Die kulturelle Normalisierung durch Filme und andere Unterhaltungsformate treibt diesen Handel weiter an, ohne die langfristigen Folgen für das Tierwohl zu zeigen.
Humane World for Animals ruft Zuschauer*innen sowie die breite Öffentlichkeit dazu auf, über die Darstellungen auf der Leinwand hinauszublicken und die Realität hinter der Haltung von Wildtieren als Haustiere zu verstehen. Mehr Bewusstsein kann verhindern, dass sich romantisierte Vorstellungen verfestigen und so dazu beitragen, dass Wildtiere nicht als Gefährten oder Unterhaltung gesehen werden, sondern als komplexe und empfindungsfähige Lebewesen, deren Bedürfnisse in privaten Haushalten nicht erfüllt werden können.
Humane World for Animals bietet Hunderten Tieren lebenslange Zuflucht in eigenen Schutzgebieten, von denen viele zuvor für den Wildtierhandel oder für die Laborforschung gefangen gehalten wurden. In Liberia betreut die Organisation in ihrem Second Chance Chimpanzee Refuge Dutzende Schimpansen, die früher in der Forschung eingesetzt wurden. In den Vereinigten Staaten bietet die Black Beauty Ranch mehr als 600 Tieren ein dauerhaftes Zuhause, darunter ehemalige Haustiere und Tiere aus Laboren wie Primaten. Zudem fördert Humane World for Animals Einrichtungen zur Rettung, Rehabilitation und Auswilderung von Wildtieren in Costa Rica und Guatemala, die zahlreiche Wildtierarten versorgen, die gefangen und als Haustiere gehalten wurden.
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