BERLIN – Mehr Tierschutz im Lebensmittelsystem ist keine Forderung einer kleinen vegetarischen oder veganen Bevölkerungsgruppe. Das zeigt der repräsentative Humane World for Animals Tierschutz-Barometer 2026, für den Anfang des Jahres mehr als 1.500 Menschen in Deutschland befragt wurden. 80,7 % der Befragten geben an, alles zu essen. 8,6 % ernähren sich vegetarisch und 2,5 % vegan. Dennoch finden Forderungen nach mehr Transparenz, besseren Haltungsbedingungen und verbindlichen politischen Maßnahmen auch unter Menschen, die Fleisch und andere tierische Produkte konsumieren, breite Unterstützung.
Für 77,8 % der Befragten, die alles essen, ist Tierschutz wichtig oder sehr wichtig. Unter Vegetarier*innen liegt dieser Anteil bei 97,6 %. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 80,5 %. Auch die Häufigkeit des Fleischkonsums verändert zwar den Grad der Zustimmung, hebt die grundsätzliche Bedeutung des Themas jedoch nicht auf: Von den Befragten, die seltener als einmal pro Woche Fleisch essen, halten 86,3 % Tierschutz für wichtig oder sehr wichtig. Unter Menschen, die zwei- bis dreimal pro Woche Fleisch essen, sind es 79,2 %. Selbst unter denjenigen, die etwa einmal täglich Fleisch konsumieren, liegt der Anteil noch bei 70,4 %.
Klare Mehrheiten für Käfigausstieg und Transparenz
Dieses Bild zeigt sich auch bei konkreten Forderungen an das Lebensmittelsystem. Einen vollständigen Ausstieg aus der Käfighaltung sogenannter Nutztiere unterstützen 66,7 % der Menschen, die alles essen. Zum Vergleich: Bundesweit sind es 70,6 %.
Besonders groß ist die Übereinstimmung beim Wunsch nach mehr Transparenz: Eine verpflichtende Kennzeichnung auf verarbeiteten Lebensmitteln, aus der hervorgeht, ob Käfig-, Boden-, Freiland- oder Bioeier verwendet wurden, befürworten knapp 8 von 10 (79,1 %) der Menschen, die alles essen (Bundesdurchschnitt: 81,5 %). Auch ein Verbot von Eiern aus Käfighaltung in verarbeiteten Produkten findet mit 68,9 % der Befragten, die alles essen, große Unterstützung (Bundesdurchschnitt: 72,3 %).
Tierschutz ist keine vegane Blase
Dass die Sorge um sogenannte Nutztiere keine Frage der Ernährungsform allein ist, zeigt auch die offene Frage, in welchen Bereichen die Bundesregierung mehr tun sollte: 33,8 % der Befragten, die alles essen, nennen von sich aus die Massentierhaltung als konkretes Handlungsfeld. Damit liegt ihr Anteil geringfügig über dem Gesamtdurchschnitt von 33,7 % und über dem Anteil unter Vegetarier*innen von 28 %.
„Natürlich ist Tierschutz für Vegetarier*innen oder Veganer*innen besonders wichtig. Entscheidend ist aber, dass auch unter Menschen, die alles essen, klare Mehrheiten einen Käfigausstieg, eine Kennzeichnungspflicht und weitere politische Maßnahmen für bessere Haltungsbedingungen unterstützen“, sagt Sylvie Kremerskothen Gleason, Landesdirektorin von Humane World for Animals Deutschland. „Die Politik darf höhere Tierwohlstandards deshalb nicht als Forderung einer kleinen vegetarischen oder veganen Gruppe abtun. Tierschutz ist keine vegane Blase, sondern längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Menschen in Deutschland, egal wie sie sich ernähren, haben ein Mandat für Tiere an die Bundesregierung gerichtet.“
Mehrheit unterstützt auch finanzielle Maßnahmen
Die Zustimmung beschränkt sich nicht auf Kennzeichnungspflichten und Verbote. 63,3 % der Menschen, die alles essen, unterstützen höhere Steuern auf Fleisch aus Haltungsformen mit niedrigen Tierschutzstandards, wenn die zusätzlichen Einnahmen für tierfreundlichere Haltungsbedingungen eingesetzt werden. Unter Vegetarier*innen liegt die Zustimmung bei 79,0 %, bundesweit bei 66,3 %.
Die Ergebnisse zeigen damit, dass Menschen nicht nur durch eine grundsätzliche Änderung ihrer Ernährungsweise zu mehr Tierschutz beitragen wollen. Die Mehrheit erwartet auch verbindliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die mehr Transparenz schaffen, höhere Standards fördern und verantwortungsvollere Konsumentscheidungen ermöglichen. Diese Erwartungen betreffen die gesamte Wertschöpfungskette, von Landwirtschaft und Tierhaltung über Lebensmittelherstellung und Lieferketten bis hin zu Handel, Produktkennzeichnung und Konsum.
Weitere Ergebnisse im Überblick
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Vegetarische Ernährung ist ebenfalls kein grünes Nischenthema: Unter CDU/CSU-Wähler*innen liegt der Anteil der Vegetarier*innen in der Stichprobe bei 10 % und damit leicht über dem Bundesdurchschnitt von 8,6 %. Unter SPD-Wähler*innen liegt der Anteil bei 4,8 %.
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58,0 % der Befragten, die alles essen, wünschen sich, dass die Bundesregierung mehr für den Tierschutz tut. Unter Vegetarier*innen sind es 79,5 %, der Bundesdurchschnitt ist 62,3 %.
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Die Haltungsbedingungen sogenannter Nutztiere bereiten 63,7 % der Menschen, die alles essen, Sorgen. Unter Vegetarier*innen liegt der Anteil bei 90,8 %, der Bundesdurchschnitt ist 67,7 %.
Hinweise an die Redaktion
Der vollständige Humane World for Animals Tierschutz-Barometer 2026 ist hier verfügbar. Anfang Juli hat Humane World for Animals Deutschland außerdem die Kampagne und Petition „Mandat für Tiere“ ins Leben gerufen. Der Tierschutz-Barometer 2026 hat klar gezeigt: Beim Tierschutz besteht eine „Government Performance Gap“ in Deutschland. Zwei Drittel der Befragten sind mit der aktuellen Tierschutzpolitik der Regierung unzufrieden und erwarten mehr Engagement, strukturelle Veränderungen, strengere Gesetze und mehr Transparenz für das Wohl der Tiere. Mit der Petition „Mandat für Tiere“ fordert die Tierschutzorganisation die Bundesregierung auf, den Willen der Bürger*innen endlich ernst zu nehmen und in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.