BERLIN – Knapp drei Viertel (73,9 %) der Menschen in Deutschland ist der Meinung, dass Tierschutz Teil des Schulunterrichts sein sollte. Das teilt die Tierschutzorganisation Humane World for Animals (ehemals Humane Society International) pünktlich zum aktuellen und kommenden Schulstart in Deutschland mit. Grundlage ist der erste Humane World for Animals Tierschutz-Barometer 2026, eine repräsentative Umfrage mit über 1.500 Menschen in Deutschland. Bei den 30- bis 49-Jährigen, also mutmaßlich der Altersgruppe vieler Eltern im schulpflichtigen Alter, steigt die Zustimmung sogar auf 78,8 %, also fast 8 von 10 der Befragten diesen Alters. Für die Tierschutzorganisation spiegelt dies einen deutlichen gesellschaftlichen Wunsch wider, Respekt, Mitgefühl und ethische Verantwortung gegenüber Tieren bereits von klein auf zu vermitteln und eine mitfühlendere, heranwachsende Gesellschaft zu fördern.
„Für Millionen Kinder in Deutschland gehören Tiere ganz selbstverständlich zum Alltag. Umso wichtiger ist es, dass junge Menschen früh lernen, welche Bedürfnisse Tiere haben und welche Verantwortung wir ihnen gegenüber tragen. Tierschutzbildung vermittelt nicht nur Wissen über Tiere, sondern stärkt auch Empathie, Verantwortungsbewusstsein und respektvolles Miteinander. Dass sich fast drei Viertel der Menschen in Deutschland Tierschutz im Unterricht wünschen, zeigt, wie breit dieser Bildungsauftrag gesellschaftlich getragen wird“, sagt Sylvie Kremerskothen Gleason, Landesdirektorin von Humane World for Animals Deutschland.
7,3 Millionen Haushalte mit Kindern leben mit Haustieren
Die Ergebnisse des Tierschutz-Barometers 2026 zeigen außerdem, wie präsent Tiere im Alltag vieler Kinder und Familien sind. So leben in 61,6 % der Haushalte mit Kindern Haustiere. Hochgerechnet sind das ca. 7,3 Millionen Haushalte in Deutschland. Zum Vergleich: In Haushalten ohne Kinder sind es „nur“ 39,7 % mit tierischen Mitbewohnern. Das ist ein Unterschied von 21,9 Prozentpunkten. Hunde und Katzen sind die beliebtesten Haustiere in dieser befragten Gruppe. Aber während die Samtpfoten deutschlandweit das Haustier Nummer 1 sind (53,5 % der befragten Haustierbesitzer*innen haben eine Katze, 48,3 % einen Hund), liegt der beste Freund des Menschen in Haushalten mit Kindern ganz klar auf dem ersten Platz. 56,9 % geben an, einen Hund zu haben (vs. 53,9 % eine Katze).
„Kinder wachsen mit Tieren auf. Deshalb wollen die Menschen, dass Schulen auch Wissen über Verantwortung gegenüber Tieren vermitteln“, ergänzt Kremerskothen Gleason.
Fünf einfache Wege, Tierschutz im Alltag zu vermitteln
Zum Schulstart empfiehlt Humane World for Animals, das Thema auch außerhalb des Unterrichts aufzugreifen:
- Tiere beobachten und über ihre Bedürfnisse sprechen.
- Kinder altersgerecht in die Versorgung von Haustieren einbeziehen.
- Tierheime, Wildtierstationen oder Tierschutzprojekte besuchen oder sich dort gemeinsam ehrenamtlich engagieren.
- Aktuelle Nachrichten oder Geschichten über Tiere gemeinsam besprechen.
- Empathie fördern: „Was braucht dieses Tier für ein gutes Leben?“
Vorbild Rumänien: „Eine Stunde mit und über Tiere“
Dass Tierschutzbildung einen wichtigen Beitrag zu langfristigen gesellschaftlichen Veränderungen leisten kann, zeigt auch die Arbeit von Humane World for Animals in Rumänien. Dort unterstützt die Organisation gemeinsam mit Behörden und Bildungseinrichtungen die Entwicklung von Bildungsangeboten für Schulen. Ein Beispiel ist das Programm „Eine Stunde mit und über Tiere“, das in Schulen der Region Ilfov (Landkreis, der Bukarest umgibt) für Schüler*innen der fünften und sechsten Klassen angeboten wird. Auf dem Lehrplan stehen Themen wie verantwortungsvolle Tierhaltung, Sicherheit im Umgang mit Tieren, Tierwohl und die Bedeutung von Tierschutzgesetzen. Ziel ist es, Wissen zu vermitteln, Vorurteile abzubauen und langfristig Tierleid sowie das Aussetzen von Haustieren zu verhindern.
Anfang Juli hat Humane World for Animals Deutschland die Kampagne und Petition „Mandat für Tiere“ ins Leben gerufen. Der Tierschutz-Barometer 2026 hat klar gezeigt: Beim Tierschutz besteht eine „Government Performance Gap in Deutschland. Zwei Drittel der Befragten sind mit der aktuellen Tierschutzpolitik der Regierung unzufrieden und erwarten mehr Engagement, strukturelle Veränderungen, strengere Gesetze und mehr Transparenz für das Wohl der Tiere. Mit der Petition „Mandat für Tiere“ fordert die Tierschutzorganisation die Bundesregierung auf, den Willen der Bürger*innen endlich ernst zu nehmen und in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.
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