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Ehemalige Laborschimpansen erhalten „Kopf bis Fuß“-Gesundheitschecks in Auffangstation in Liberia

Zahnreinigung, Sehtests, Herzuntersuchungen, Röntgenaufnahmen der Lunge und sogar eine Mani-Pedi für Schimpansen in der Auffangstation von Humane World for Animals Liberia 

Health check ups for chimps at Second Chance Chimpanzee Refuge Liberia, August 2026, a sanctuary run by Humane World for Animals in Liberia.

Gregg Tully

MONROVIA, Liberia/BERLIN – Eine Gruppe ehemaliger Laborschimpansen, die ihren Ruhestand in der Auffangstation Second Chance Chimpanzee Refuge Liberia von Humane World for Animals (ehemals Humane Society International) verbringen, wurde umfassend gesundheitlich untersucht. Dies geschah im Rahmen ihrer lebenslangen Versorgung durch die Tierschutzorganisation. 

Das tiermedizinische Team der Auffangstation und spezialisierte Fachleute untersuchten die Schimpansen von Kopf bis Fuß. Ziel war es, ihren langfristigen Gesundheitszustand zu beurteilen, mögliche frühe Krankheitsanzeichen zu erkennen und die Versorgung mit zunehmendem Alter an die individuellen Bedürfnisse der Tiere anzupassen. 

Unter Narkose wurden die Zähne der Schimpansen auf Anzeichen von Karies untersucht und gründlich gereinigt, denn wie Menschen benötigen auch Schimpansen eine regelmäßige Zahnpflege. Das Team untersuchte außerdem die Augen, das Herz, die Lunge, den Bauchraum und das Nervensystem der Tiere und führte Blut- und Herzultraschalluntersuchungen durch. Die Schimpansen erhielten zudem Auffrischungsimpfungen und ihre Fingernägel wurden gekürzt. Dank der Narkose kann das tiermedizinische Team diese detaillierten Untersuchungen sicher und mit möglichst wenig Stress für die Schimpansen durchführen. 

Belen Perez Hernando, Tierärztin der Auffangstation, sagt: „Die Gesundheitschecks sind ein wesentlicher Teil der Versorgung dieser Schimpansen, die bereits so viel durchgemacht haben. Viele Aspekte ihrer medizinischen Versorgung werden Menschen vertraut vorkommen. Wir überprüfen, ob Zähne und Zahnfleisch gesund sind, die Tiere gut sehen können, Herz und Lunge einwandfrei funktionieren und die Blutwerte normal sind. Außerdem achten wir auf Anzeichen dafür, dass ihre Gelenke, ihr Bauchraum und ihr Nervensystem so funktionieren, wie sie sollten. Unser Ziel ist es, mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen und alles dafür zu tun, dass jedes einzelne Tier in seinem Zuhause in der Auffangstation weiterhin sicher und so angenehm wie möglich leben kann.“ 

Die untersuchten Schimpansen gehören zu Dutzenden Tieren, die in der Auffangstation auf mehreren mit Mangrovenwald bedeckten Inseln leben. Dort können sie sich frei bewegen und in sozialen Gruppen zusammenleben, die den Lebensbedingungen wild lebender Schimpansen so nahe wie möglich kommen. Im vergangenen Jahr wurde diese kleine Gruppe vorübergehend in eine eigens für die Schimpansen errichtete Unterkunft am Hauptsitz der Auffangstation auf dem Festland gebracht. Währenddessen wird ihr Zuhause auf der Insel um eine neue Einrichtung für regelmäßige Gesundheitschecks und einen Schutzraum bei extremen Wetterbedingungen erweitert. Anfang kommenden Jahres sollen die Schimpansen auf ihre Insel zurückkehren. 

Viele der Schimpansen in Second Chance wurden als Jungtiere in freier Wildbahn gefangen, bevor sie in ein Labor gelangten und dort jahrzehntelang invasiven und grausamen Versuchen ausgesetzt waren. Aufgrund dieser Erfahrungen haben viele von ihnen eine komplexe Krankengeschichte. Mit zunehmendem Alter benötigen sie außerdem eine umfassende Gesundheitsvorsorge. 

Liliana Pacheco Ricote, Direktorin von Second Chance Chimpanzee Refuge Liberia, sagt: „Das sind nicht einfach nur medizinische Untersuchungen. Sie sind Teil unseres lebenslangen Versprechens, diesen außergewöhnlichen Schimpansen das bestmögliche Leben zu ermöglichen. Jedes Untersuchungsergebnis hilft uns zu verstehen, was jeder einzelne Schimpanse heute braucht und was er möglicherweise in Zukunft benötigen wird. Das Wohl, der Komfort und die Lebensqualität der Tiere stehen für uns immer an erster Stelle.“ 

Fakten im Überblick 

  • Second Chance ist die einzige Auffangstation in Afrika, die ehemals in Laboren eingesetzte Schimpansen versorgt. 

  • Einst lebten mehr als 400 Schimpansen in dem Labor und wurden über einen Zeitraum von 30 Jahren für Versuche eingesetzt. Viele dieser Schimpansen kamen während der beiden Bürgerkriege in Liberia zwischen 1989 und 1997 ums Leben. Einige wurden von Milizen erschossen. 

  • Anfang der 2000er-Jahre stellte das Labor die Versuche mit Schimpansen schrittweise ein und brachte die verbliebenen Tiere auf Inseln in einem Flussmündungsgebiet. Mitarbeiter*innen versorgten sie dort mit frischem Wasser und Nahrung. Als das Labor 2015 die für die Versorgung der Schimpansen benötigten finanziellen Mittel strich, baten die Betreuer*innen der Tiere mit einem dringenden Aufruf um Hilfe. Viele Tierschutzorganisationen reagierten darauf. Humane World for Animals leistete Soforthilfe und verpflichtete sich, die Schimpansen ihr Leben lang zu versorgen. 

  • Schimpansen werden in der Regel 50 bis 60 Jahre alt. 

  • Second Chance Chimpanzee Refuge beschäftigt mehr als 40 Mitarbeiter*innen, die größtenteils aus der lokalen Bevölkerung stammen. Die Auffangstation kauft frisches Obst und Gemüse aus der Region für die tägliche Versorgung der Schimpansen und finanziert lokale Projekte, wie die Sanierung von Schulen und Straßen. 

  • Humane World for Animals Liberia unterstützt rund um die Auffangstation außerdem Projekte zum Schutz von Wildtieren. Dazu gehört, das Waldökosystem und die dort lebenden Wildtiere vor Abholzung, Wilderei und der Zerstörung zugunsten landwirtschaftlicher Flächen zu schützen. 

ENDE 

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