Die Iceland Fashion Week führt eine pelzfreie Richtlinie für teilnehmende lokale und internationale Designer*innen ein. Die Fashion Week, die im September in Reykjavík stattfindet, reiht sich damit den Fashion Weeks in Kopenhagen, London und New York ein, die ebenfalls auf Pelz verzichten.
Die Entscheidung folgt auf die Ausstrahlung der ersten verdeckten Ermittlung auf isländischen Pelztierfarmen im nationalen Fernsehen. Die Ermittler*innen übergaben ihr schockierendes Beweismaterial an Humane World for Animals (ehemals Humane Society International), eine der weltweit führenden Organisationen, die sich für ein Ende des globalen Pelzhandels einsetzt, und dem isländischen Partner Samtök um dýravelferð á Íslandi (Animal Welfare Iceland). Das Material zeigt Nerze mit großen Wunden oder Infektionen, tote Tiere in Käfigen, Nerze, die mit Blut bedeckt sind, andere mit stereotypem Verhalten als Zeichen einer psychischen Belastung und Tiere, die in kleinen, schmutzigen Drahtkäfigen eingesperrt sind.
Humane World for Animals und Animal Welfare Iceland fordern nun die isländische Regierung dazu auf, ein Verbot der Pelztierhaltung einzuführen.
PJ Smith, Principal, Fashion Policy, bei Humane World for Animals, sagt: „Bravo an die Iceland Fashion Week, die Pelz von ihren Laufstegen und Veranstaltungsorten verbannt und Mitgefühl für Tiere zu einem dauerhaften Modetrend macht. Materialinnovationen wie biobasierte, tierleidfreie Pelzalternativen weisen den Weg in eine pelzfreie Zukunft voller Kreativität und Schönheit ohne Tierleid.“
Asta Gudmundsdottir von der Iceland Fashion Week bestätigte die Richtlinie in einer E-Mail an die Tierschutzorganisation und sagt: „Von Anfang an stehen Mode, Innovation und Nachhaltigkeit im Mittelpunkt der Iceland Fashion Week. Weil der Pelzhandel im Widerspruch zu all diesen Prinzipien steht, ist es jetzt an der Zeit, Stellung zu beziehen und pelzfrei zu werden.“
Dr. Rósa Líf Darradóttir, Vorsitzende von Animal Welfare Iceland, sagt: „Pelztierhaltung beutet Tiere aus, schadet der Umwelt und gehört längst der Vergangenheit der Mode an. Wir freuen uns, dass Pelz nun keinen Platz mehr bei der isländische Fashion Week hat.“
Die pelzfreie Ankündigung kommt zu einem historischen Zeitpunkt, an dem die Europäische Kommission ihre Entscheidung über ein EU-weites Verbot der Pelztierhaltung veröffentlichen soll. Die Pelztierhaltung ist bereits in 24 europäischen Ländern verboten und in vielen weiteren eingeschränkt. Trotzdem werden immer noch mehr als 6 Millionen Tiere auf fast 1.200 Pelztierfarmen in der EU gehalten, unter anderem in Finnland, Dänemark, Spanien, Griechenland und Ungarn.
Humane World for Animals hat kürzlich eine neue, provokante Kampagne mit dem Titel “Reality Projected” lanciert, die die reale Grausamkeit hinter den glänzenden Bildern der Pelzindustrie aufdeckt. Die eindrucksvolle visuelle Kampagne, die zusammen mit dem preisgekrönten Modefotografen Fro Rojas von Kreative Kontent entstand, projiziert Fotos und Videos von Tierquälerei auf europäischen Pelztierfarmen als Lichtinstallationen auf echte Pelzmäntel.
Fakten zu Pelz:
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Mode ohne Pelz: Immer mehr führende Modemarken verzichten auf Pelz – darunter auch zahlreiche deutsche Marken wie Karl Lagerfeld, Hugo Boss, adidas, Puma, Mustang, VAUDE, s.Oliver, Jack Wolfskin oder Zalando sowie internationale Marken wie Max Mara, Saint Laurent, Gucci, Alexander McQueen, Balenciaga, Valentino, Prada, Armani, Versace, Michael Kors, Jimmy Choo, DKNY, Burberry und Chanel. Weltweit haben sich bereits über 1.600 Marken und Einzelhändler zu einer pelzfreien Unternehmenskultur verpflichtet. Pelz wird zunehmend als nicht mehr verkäuflich und ethisch nicht vertretbar wahrgenommen – viele Modehäuser setzen daher heute auf innovative, tierfreundliche Alternativen.
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Gesundheitsrisiko: Pelztierfarmen stellen ein Risiko für Zoonosen dar. Auf fast 500 Nerzfarmen in 13 Ländern in Europa und Nordamerika wurden Tiere mit COVID-19 infiziert, Millionen wurden aus Gründen des Infektionsschutzes getötet. Auch das aviäre Influenzavirus (HPAI H5N1) wurde bisher auf 72 europäischen Pelztierfarmen festgestellt. Etwa 500.000 Nerze, arktische Füchse, Rotfüchse und Marderhunde wurden deshalb getötet.
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Umweltbelastung laut Studie: Die CO₂-Bilanz von 1 kg Nerzpelz (309,91 kg CO₂-Äquivalent) ist 31-mal höher als die von Baumwolle, 26-mal höher als Acryl und 25-mal höher als Polyester. Auch Marderhund- und Fuchspelz haben eine extrem schlechte Klimabilanz – bis zu 23-mal schlechter als Baumwolle.
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Das Leid auf Pelztierfarmen ist unvermeidbar. Im Juli 2025 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in einer wissenschaftlichen Stellungnahme das systemische Tierleid auf Europas Pelztierfarmen für Nerze, Füchse, Marderhunde und Chinchillas bestätigt.
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