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Erste verdeckte Ermittlung dieser Art deckt schockierendes Tierleid auf Islands Pelztierfarmen auf

Forderungen nach einem Verbot der Pelztierzucht werden lauter 

Tun i Floa mink fur farm in Iceland 18 November 2025

Juho Kerola

BERLIN/ REYKJAVÍK – Die isländische Regierung steht unter Druck, die Pelztierhaltung zu verbieten, nachdem die erste verdeckte Recherche auf Pelztierfarmen im Land schockierende Ausmaße an Tierleid offenlegt, darunter Tiere mit großen Wunden oder Infektionen, tote Tiere, die in Käfigen liegen gelassen werden, Nerze, die mit Blut bedeckt sind und in kleinen, schmutzigen Drahtkäfigen gehalten werden.

Ermittler*innen haben im November 2025 auf drei Pelztierfarmen Beweise gefilmt, nur einen Monat bevor diese Betriebe geschlossen wurden. Berichten zufolge geschah dies aufgrund eines finanziellen Zusammenbruchs. Die Ermittler*innen übergaben ihr schockierendes Beweismaterial an Humane World for Animals (ehemals Humane Society International), eine der weltweit führenden Organisationen, die sich für ein Ende des globalen Pelzhandels einsetzt. Das Material wurde im Rahmen einer ausführlichen Enthüllungssendung im preisgekrönten isländischen investigativen Nachrichtenprogramm Kveikur ausgestrahlt, das beim führenden öffentlich-rechtlichen Sender des Landes läuft.

Aufnahmen von den drei untersuchten Pelztierfarmen – Nedri Dalur, Tun i Floa and Holt i Floa im Süden Islands – zeigten tausende Nerze, die in dunklen Schuppen in kleinen, schmutzigen Käfigen gehalten werden, Nerze, aus deren Nasen Blut sickerte, wobei einer wiederholt nieste. Andere Nerze zeigten Anzeichen von entzündeten Augen und hatten offene oder alte Wunden an Körper und Gesicht. Die Ermittler*innen dokumentierten auch weggeworfene Körper toter Nerze. Auf einer Pelztierfarm wurden Nerze gefilmt, die stereotype Verhaltensweisen zeigten, die auf einen psychischen Zusammenbruch hindeuten. Eine der Pelztierfarmen, Holt i Floa, gehörte Björn Hardarson, Vorsitzender der Pelztierhalter-Abteilung des isländischen Bauernverbandes.

Obwohl die drei untersuchten Pelztierfarmen inzwischen geschlossen sind, deuten Berichte, die im Februar 2026 über eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz an die isländische Veterinärbehörde erhalten wurden, darauf hin, dass die Bedingungen für Tiere auf der letzten noch betriebenen Pelztierfarm Islands genauso schlecht sein könnten. In den vergangenen zehn Jahren berichten mehrere Kontrollen auf der Pelztierfarm Dalsbú in Mosfellsdalur durch die isländische Lebensmittel- und Veterinärbehörde, bekannt als MAST, von einer Reihe von Tierschutzproblemen, die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz darstellen könnten, wie Tiere mit Wunden, Verletzungen, einem Abszess und Anzeichen von Kannibalismus.

Humane World for Animals und die isländischen Partner Samtök um dýravelferð á Íslandi (Animal Welfare Iceland) haben an die Industrieministerin Hanna Katrín Friðriksson geschrieben. In dem Brief wird sie aufgefordert, die Pelztierhaltung zu verbieten, indem die Verordnung aufgehoben wird, die die Haltung von Nerzen zur Pelzproduktion erlaubt.

Shely Bryan, Fur Free Program Director bei Humane World for Animals, sagt: „Auch wenn sie inzwischen geschlossen sind, zeigen die drei untersuchten Pelztierfarmen die Schrecken, die tausende Tiere in Island für die sterbende Pelzindustrie ertragen mussten. Tote, kranke und verletzte Nerze, zusammengepfercht in schmutzigen, winzigen Käfigen, umgeben von Kot, Blut und verrottendem Futter. Das ist die düstere Realität hinter der glänzenden Fassade des Pelzhandels. Die meisten Isländer*innen werden schockiert sein, wenn sie erfahren, dass nur 30 Autominuten von Reykjavik entfernt Islands letzte verbliebene Pelztierfarm noch in Betrieb ist, trotz einer langen Liste von Tierschutzproblemen, die von den Behörden festgestellt wurden. 24 Länder in Europa haben die Pelztierhaltung bereits verboten, und es ist Zeit, dass Island sich ihnen auf der richtigen Seite der Geschichte anschließt. Dieses unnötige Leid von Tieren für belanglose Pelzmode muss ein Ende haben.“

Die Pelztierfarm Dalsbú beherbergt viele tausend Nerze, die in Käfigen im Stil der Massentierhaltung gehalten werden. Ein MAST-Bericht aus August 2023 zeigt, dass mehrere Nerze mit Bisswunden gefunden wurden, darunter viele, die nach Einschätzung von Tierärzt*innen hätten eingeschläfert werden müssen. Andere wurden mit alten Wunden, einem geschwollenen Kiefer, einem Abszess und Hinweisen auf Kannibalismus gefunden. Es wurden auch Bedenken hinsichtlich der kahlen Käfige geäußert, denen jede Form von Beschäftigung oder ausreichender Schutz vor Witterungseinflüssen fehlt, sowie aufgrund „wiederholter Ausbrüche“ von Nerzen in den vergangenen Jahren. 2024 wurde Dalsbú im Klassifizierungssystem von MAST in Kategorie C herabgestuft, was auf schwerwiegende Mängel bei der Einhaltung der Anforderungen zum Tierschutz hinweist.

Die Website des isländischen Pelztierhalterverbandes bewirbt Links zu Welfur und Saga Furs, die beide Teil eines angeblichen Tierschutzsystems der Pelzindustrie sind, das von Tierärzt*innen widerlegt wurde. Exportdaten zeigen zudem, dass fast alle Pelze aus Island nach Finnland exportiert werden, wo sich das Auktionshaus von Saga Furs befindet, das damit wirbt, nur Pelze von zertifizierten Welfur/Furmark-Pelztierfarmen zu verkaufen. In einem Schriftwechsel mit MAST im Jahr 2025 erklärt der Dalsbú-Betreiber gegenüber der Veterinärbehörde, dass die Berichte von Welfur „uns eine gute Bewertung geben“.

Dr. Rósa Líf Darradóttir, Vorsitzende von Animal Welfare Iceland, sagt: „Das isländische Tierschutzgesetz verlangt, dass Tiere vor Angst, Leid, Schmerzen, Verletzungen und Krankheiten geschützt werden und ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können. Die Pelztierhaltung ist ihrem Wesen nach grundsätzlich unvereinbar mit diesen gesetzlichen Zielen. Die dokumentierten Zustände auf den drei Pelztierfarmen waren zutiefst verstörend, und es ist herzzerreißend, dass die Pelztierhaltung in meinem schönen Land noch immer stattfindet. Aus den MAST-Berichten geht klar hervor, dass auf der letzten verbliebenen Pelztierfarm wiederholt schwerwiegende Tierschutzprobleme festgestellt wurden. Die isländische Verfassung sagt, dass Bürger*innen frei sind, den Beruf ihrer Wahl auszuüben, aber diese Freiheit kann eingeschränkt werden, wenn es im öffentlichen Interesse liegt. Die Durchsetzung unseres Tierschutzgesetzes und die Minimierung zoonotischer und biosicherheitsrelevanter Risiken liegen eindeutig im öffentlichen Interesse, daher fordern wir die Regierung auf, ein Gesetz zu verabschieden, das die Pelztierhaltung hier für immer verbietet.“

Die Pelztiersindustrie in Island befindet sich seit Jahren in einem starken Rückgang, parallel zum globalen Rückgang des Pelzhandels aufgrund einer schnell sinkenden Nachfrage von Verbraucher*innen und Designer*innen nach Pelz. 2013 waren in Island 43 Pelztierfarmen in Betrieb, 2024 waren es nur noch sechs und 2026 nur noch eine. Branchendaten zeigen einen Rückgang um etwa 67 Prozent bei der Zahl der Tiere, die in Island für Pelz gezüchtet und getötet wurden, von 200.000 Nerzen im Jahr 2015 auf 65.000 Nerze im Jahr 2024. Nach den jüngsten Schließungen von Pelztierfarmen dürfte diese Zahl im Jahr 2026 deutlich geringer sein. Die Nachfrage nach Pelz ist so niedrig, dass mehrere Berichte zeigen, dass Nerzfelle aus Island mit Verlust unter den Produktionskosten verkauft werden. Erstaunlicherweise werden weiterhin öffentliche Gelder eingesetzt, um diese sterbende Branche zu stützen, darunter 80 Millionen isländische Kronen im Jahr 2020.

Rósa Líf Darradóttir sagt: „Die Pelztierindustrie ist extrem grausam, schadet der Umwelt und stellt ein Risiko für die öffentliche Gesundheit dar. Immer mehr Menschen erkennen diese Realität, und öffentliche Gelder sollten nicht verwendet werden, um ihr unvermeidliches Ende hinauszuzögern.“

Humane World for Animals setzt sich weltweit für ein Ende des Pelztierhandels ein. Die Organisation konzentriert sich dabei auf Großbritannien, Europa, Nordamerika und China. Die Arbeit umfasst Kampagnen gegenüber Regierungen, Industrie und Unternehmen, Kooperationen mit Designer*innen und Modemarken, verdeckte Recherchen sowie Aufklärungskampagnen. So konnte die Zahl der von diesem grausamen Handel betroffenen Tiere immer weiter verringert werden.

Fakten zu Pelz:   

  • Gesundheitsrisiko: Pelztierfarmen stellen ein Risiko für Zoonosen dar. Auf fast 500 Nerzfarmen in 13 Ländern in Europa und Nordamerika wurden Tiere mit COVID-19 infiziert, Millionen wurden aus Gründen des Infektionsschutzes getötet. Auch das aviäre Influenzavirus (HPAI H5N1) wurde bisher auf 72 europäischen Pelztierfarmen festgestellt. Etwa 500.000 Nerze, arktische Füchse, Rotfüchse und Marderhunde wurden deshalb getötet. 

  • Umweltbelastung laut Studie: Die CO₂-Bilanz von 1 kg Nerzpelz (309,91 kg CO₂-Äquivalent) ist 31-mal höher als die von Baumwolle, 26-mal höher als Acryl und 25-mal höher als Polyester. Auch Marderhund- und Fuchspelz haben eine extrem schlechte Klimabilanz – bis zu 23-mal schlechter als Baumwolle. 

  • Mode ohne Pelz: Immer mehr führende Modemarken verzichten auf Pelz – darunter auch zahlreiche deutsche Marken wie Karl Lagerfeld, Hugo Boss, adidas, Puma, Mustang, VAUDE, s.Oliver, Jack Wolfskin oder Zalando sowie internationale Marken wie Max Mara, Saint Laurent, Gucci, Alexander McQueen, Balenciaga, Valentino, Prada, Armani, Versace, Michael Kors, Jimmy Choo, DKNY, Burberry und Chanel. Weltweit haben sich bereits über 1.600 Marken und Einzelhändler zu einer pelzfreien Unternehmenskultur verpflichtet. Pelz wird zunehmend als nicht mehr verkäuflich und ethisch nicht vertretbar wahrgenommen – viele Modehäuser setzen daher heute auf innovative, tierfreundliche Alternativen. 

Bild- und Videomaterial der verdeckten Ermittlung können hier heruntergeladen werden. 

AKTIV WERDEN: Humane World for Animals und Animal Welfare Iceland fordern die Öffentlichkeit auf, ihre Unterstützung für ein Verbot der Pelztierhaltung in Island zu zeigen, indem sie ihre Petition unterzeichnet. 

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