BRÜSSEL/BERLIN – Bisher unveröffentlichte Aufnahmen von finnischen Pelztierfarmen zeigen, dass weiterhin sogenannte „Monsterfüchse“ gezüchtet werden. Diese Tiere werden gezielt in diesem Ausmaß gezüchtet, sodass sie unnatürlich groß werden und größere Pelze liefern. Dies geschieht trotz jahrelanger Kritik, Reformversprechen der Branche und gesetzlicher Vorschriften, die Tierleid verhindern sollen.
Die Fotos und Videos wurden zwischen November 2025 und April 2026 auf Farmen in Lapua, Veteli und Kauhava aufgenommen und der Tierschutzorganisation Project 1882 von einer anonymen Quelle zur Verfügung gestellt. Sie zeigen Füchse mit extremen Hautfalten, schweren Augenentzündungen, unbehandelten Verletzungen und eingeschränkter Bewegungsfähigkeit, die in kargen Drahtkäfigen gehalten werden.
Die Aufnahmen werden zu einem entscheidenden Zeitpunkt für die Zukunft der Pelztierhaltung in Europa veröffentlicht. Der Druck auf die Europäische Kommission wächst, eine Antwort auf die Europäische Bürgerinitiative „Fur Free Europe“ zu veröffentlichen. Mehr als 1,5 Millionen Menschen haben die Initiative unterzeichnet und damit ein EU-weites Verbot der Pelztierhaltung gefordert. Die Kommission sollte ihre Antwort ursprünglich im März vorlegen, hat ihre Entscheidung jedoch auf die Zeit nach dem Sommer verschoben.
Sogenannte „Monsterfüchse“ rückten 2017 in den Blick der Öffentlichkeit, als Bilder von finnischen Pelztierfarmen Tiere zeigten, die gezielt unnatürlich groß gezüchtet wurden, um größere und wertvollere Pelze zu liefern. Obwohl die Branche anschließend versicherte, diese Zuchtpraxis zu beenden, zeigen die neuen Aufnahmen, dass sie bis heute fortgeführt wird. In diesem Jahr führte das finnische Auktionshaus Saga Furs sogar eine neue, größere Kategorie für Fuchspelze ein und belohnt damit die Zucht übergroßer Tiere zusätzlich. Bei einer Auktion im März 2026 bot Saga Furs 12.769 Blaufuchspelze der Größenkategorie 70 an. Diese übersteigt die Höchstgröße, die die Branche nach dem Skandal von 2017 festgelegt hatte.
Dr. Joanna Swabe, Senior Director of Public Affairs bei Humane World for Animals, sagt: „Das ganze Ausmaß der Monstrosität der Pelztierindustrie zeigt sich darin, dass Füchse weiterhin gezielt so gezüchtet werden, dass sie unnatürlich groß werden und die Produzent*innen mit jedem Pelz immer höhere Gewinne erzielen können. Diese Praxis verschärft das schwere Leid der Tiere zusätzlich, die ihr Leben lang in kahlen Drahtkäfigen eingesperrt sind. Diese Käfige können ihren komplexen Verhaltensbedürfnissen und den Anforderungen an ihr Wohl in keiner Weise gerecht werden. Es ist nicht zu rechtfertigen, dass die Europäische Kommission überhaupt sogenannte ‚Tierschutzstandards‘ für eine Industrie in Betracht zieht, die auf solch systematischer Tierquälerei beruht. Das gilt insbesondere angesichts des klaren demokratischen Auftrags durch die Europäische Bürgerinitiative ‚Fur Free Europe‘. Wir bekräftigen daher unsere unmissverständliche Forderung nach einem vollständigen EU-weiten Verbot der Pelztierhaltung. Das Kollegium der Kommissionsmitglieder muss auf die Bürger*innen Europas hören, halbe Sachen ablehnen und entschlossen handeln, um die Pelztierhaltung endgültig der Vergangenheit angehören zu lassen.“
Benny Andersson, Geschäftsführer von Project 1882, sagt: „Diese Aufnahmen zeigen, dass schwerwiegende Tierschutzprobleme weiterhin fest in der Pelztierindustrie verankert sind. Während die EU über die Zukunft der Pelztierhaltung berät, müssen die politischen Entscheidungsträger*innen entscheiden, wie viel Tierleid Europa für Luxusprodukte hinzunehmen bereit ist.“
Die internationale Koalition Fur Free Alliance setzt sich für ein Ende des Pelzhandels ein und ist führend im Kampf für ein pelzfreies Europa. Sowohl Humane World for Animals als auch Project 1882 sind Teil dieser Koalition.
Hinweise für Redaktionen
Auf Anfrage verfügbares Material
- Videoaufnahmen und Fotos von finnischen Pelztierfarmen
- GPS-Daten und Zeitstempel zur Verifizierung
- Weitere Hintergrundinformationen und Stellungnahmen von Expert*innen
Aufnahmezeitraum: November 2025 bis April 2026
Orte: Lapua, Veteli und Kauhava, Finnland
Organisationen, die das Material veröffentlichen, können Journalist*innen GPS-Daten, genaue Zeitstempel und weitere Dokumente zur Verfügung stellen, welche die Echtheit der Aufnahmen belegen.
Das gebrochene Versprechen der Pelztierindustrie zu übergroßen Füchsen
Nachdem die Zucht extrem großer Blaufüchse in Finnland öffentliche Empörung ausgelöst hatte, verabschiedete der finnische Pelztierzüchterverband FIFUR einen Aktionsplan für die Jahre 2017 und 2018. Darin hieß es, dass Größe 60 die maximal zulässige Größe für Blaufuchspelze sein sollte, dass Saga Furs größere Pelze an die Produzent*innen zurückgeben würde und dass der Handel mit Pelzen über die Größe 60 zum Verlust der Zertifizierung führen könnte.
Saga Furs erklärte, die Größenbeschränkung solle sicherstellen, dass „für Pelztierfarmbetreiber*innen kein wirtschaftlicher Anreiz besteht, größere Füchse zu züchten“.
Quellen:
- https://fifur.fi/en/ajankohtaista/article/the-future-blue-fox/
- https://www.sagafurs.com/sustainability/csr/certification-animal-welfare/developing-operations/
Auktionsdaten von Saga Furs aus dem Jahr 2026
Bei der Auktion von Saga Furs im März 2026 wurden 12.769 Blaufuchspelze der Größe 70 angeboten und zu 100 Prozent verkauft, obwohl die Branche zuvor Größe 60 als Höchstwert festgelegt hatte. Der veröffentlichte Durchschnittspreis lag bei 89 für Größe 70, verglichen mit 82 für Größe 60 und 67 für Größe 50.
Die eigenen Zahlen der Branche zeigen daher nicht nur, dass sie die versprochene Höchstgröße aufgegeben hat. Sie zeigen auch, dass die größten Pelze den höchsten Durchschnittspreis erzielten. Dies widerspricht unmittelbar dem Versprechen der Branche, den wirtschaftlichen Anreiz für die Zucht immer größerer Füchse zu beseitigen.
Quelle:
Erkenntnisse der EFSA zu übergroßen Polarfüchsen
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit veröffentlichte am 30. Juli 2025 ihr wissenschaftliches Gutachten zum Wohl von Tieren, die für die Pelzproduktion gehalten werden. Die EFSA stellte fest, dass auf Pelztierfarmen gehaltene Polarfüchse, auch Blaufüchse genannt, gezielt nach Merkmalen wie schnellem Wachstum und größerem Körperbau gezüchtet wurden, um größere Pelze zu erhalten.
Nach Angaben der EFSA wogen Polarfüchse in den 1990er-Jahren zum Zeitpunkt der Tötung etwa sieben bis acht Kilogramm. Bis 2014, dem Jahr, aus dem die jüngsten der EFSA vorliegenden Daten stammen, war ihr Gewicht auf rund 20 Kilogramm gestiegen.
Die EFSA stufte Bewegungsstörungen als eine der schwerwiegendsten Folgen für das Wohl von Polarfüchsen auf Pelztierfarmen ein. Sie stellte fest, dass die gezielte Zucht nach Produktionsmerkmalen und einem größeren Körperbau zu Erkrankungen und Fehlbildungen wie verbogenen Pfoten, nach außen gedrehten Vorderbeinen und Osteochondrose beitragen kann. Allgemeiner kam die EFSA zu dem Schluss, dass sich die festgestellten Beeinträchtigungen des Tierwohls bei den untersuchten Tierarten im bestehenden Haltungssystem in den meisten Fällen weder verhindern noch wesentlich verringern lassen.
Quelle:
- EFSA, Welfare of American mink, red and Arctic foxes, raccoon dog and chinchilla kept for fur production: https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2025.9519
#