BERLIN/NAGALAND, Indien – Humane World for Animals (ehemals Humane Society International) feiert einen großen Erfolg im Kampf gegen den Hundefleischhandel im Nordosten Indiens: Drei langjährige Hundefleisch-Großhändlerinnen haben den Handel dauerhaft verlassen, nachdem sie mehr als 20 Jahre lang Hunde zur Schlachtung und zum Verzehr geliefert hatten. Die drei Frauen waren zentrale Verteilerinnen innerhalb des Handels. Sie kauften große Zahlen von Hunden und lieferten sie an Märkte in den Distrikten Dimapur und Mokokchung in Nagaland sowie in den benachbarten Bundesstaat Manipur. Nun haben sie sich dafür entschieden, im Rahmen des „Models for Change“-Programms zu einer alternativen Einkommensquelle im Pilzanbau und in der Herstellung von Pickles zu wechseln. Das Programm ermöglicht einen Übergang zu alternativen Lebensgrundlagen und wird von Pro Rural, einer lokal verankerten Entwicklungsorganisation umgesetzt, und Humane World for Animals India unterstützt.
30 Verkäuferinnen bereits aus Hundefleischhandel ausgestiegen
Vielen Hundefleisch-Verkäufer*innen aus der Region wurde nie eine alternative Einkommensmöglichkeit angeboten, mit der sie ihre Familien versorgen könnten. Das im Jahr 2025 in Nagaland gestartete Models for Change“-Programm setzt genau bei ihren Bedürfnissen an. Bisher haben 30 Hundefleisch-Verkäuferinnen, alle weiblich, den Handel vollständig verlassen. Weitere 30 werden sich ihnen bald anschließen.
Die drei Großhändler übergaben freiwillig die 18 Hunde, die noch in ihrem Besitz waren. Es waren die letzten Tiere, die sie vor ihrem Ausstieg gekauft hatten. Der Handel beruht auf einem Netzwerk aus Schmuggler*innen, Großhändler*innen und Verkäufer*innen.
Zustrom von Hunden wird unterbrochen
Der Ausstieg der drei Großhändler unterbricht den Zustrom von Hunden auf Märkte in ganz Nagaland und markiert eine bedeutende Wende für einen Handel, in dem Hunde lange als Ware behandelt wurden. Viele der Hunde wurden direkt vor Ort von mitfühlenden Menschen aus Nagaland adoptiert, die ihnen ein sicheres Zuhause geben wollen. Alle geretteten Hunde erhielten sofort tiermedizinische Versorgung durch Humane World for Animals India. Jeder Hund wurde gründlich untersucht, bei Bedarf behandelt, geimpft und mit einem Mikrochip gekennzeichnet, bevor er in Sicherheit gebracht wurde.
Hunde werden regelmäßig gestohlen oder in Gemeinden benachbarter Bundesstaaten eingefangen, bevor sie nach Nagaland, Mizoram und Manipur transportiert werden. Humane World for Animals India arbeitet mit lokalen Organisationen, Gemeinden und Strafverfolgungsbehörden zusammen, um Lösungen umzusetzen, die das Wohl von Menschen und Tieren in den Mittelpunkt stellen und stärken.
Es geht auch um Gefahren für die öffentliche Gesundheit
Keren Nazareth, Senior Director of Companion Animals and Engagement bei Humane World for Animals India, sagt: „Der Hundefleischhandel beutet Menschen in prekären sozioökonomischen Situationen aus. Dies zu ändern bedeutet nicht nur, Hunde zu retten, auch wenn wir natürlich enorm erleichtert sind, dass diese Tiere nun in Sicherheit sind. Es geht auch darum, ein System zu unterbrechen, das Frauen körperlichen und finanziellen Risiken aussetzt und Gemeinden vermeidbaren Gesundheitsrisiken wie Tollwut ausliefert. Deshalb sind lokale, von den Gemeinden getragene Lösungen so wichtig; sie betrachten das Gesamtbild und nicht nur einen Teil davon. Wir sind diesen drei Großhändlern sehr dankbar, dass sie die mutige Entscheidung getroffen haben, den Hundefleischhandel zu verlassen, und den vielen liebevollen Familien, die sich entschieden haben, die Hunde zu adoptieren. Wir laden andere Verkäufer*innen, die einen ähnlichen Wechsel erwägen, ein, sich uns anzuschließen.“
Frauen im Hundefleischhandel
Wangshikokla Jamir, Projektkoordinatorin bei Pro Rural, sagt: „Das Training inspiriert Frauen im Handel dazu, eine Einkommensquelle zu wählen, die ihnen ein besseres Leben ermöglicht. Wir haben festgestellt, dass der Handel kein stabiles Einkommen bietet, Aspekte hat, die das Wohl von Frauen beeinträchtigen, und dass viele von ihnen dies nicht als Zukunft für ihre Kinder wollen. Wir erleben, dass immer mehr Frauen auf uns zukommen, um am Programm teilzunehmen. Wenn über den Hundefleischhandel gesprochen wird, steht oft das Leiden der Tiere im Mittelpunkt, aber das erzählt nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte handelt von den Menschen, die in diesem Handel gefangen sind. Unser Programm soll diese Gleichung vollständig verändern. Es verlangt Frauen nicht ab, etwas aufzugeben, ohne ihnen im Gegenzug etwas Besseres anzubieten. Es gibt ihnen die Schulung, die Begleitung und die praktische Unterstützung, um eine Einkommensquelle aufzubauen, die sicher, tierfreundlich, ausbaufähig und nachhaltig ist.“
„Naga-Frauen sind offen dafür, Neues zu lernen“
Das Programm fördert auch die öffentliche Gesundheit. Es hilft, die Ausbreitung von Tollwut einzudämmen, da der Hundefleischhandel in betroffenen Gebieten als bedeutender Treiber für die Übertragung von Krankheiten gilt.
Über das „Models for Change“-Programm sagte eine der ehemaligen Großhändlerinnen: „Naga-Frauen sind offen dafür, Neues zu lernen, aber es fehlte an Möglichkeiten. Ich wurde im Mai dieses Jahres in der Herstellung von Pickles geschult und innerhalb weniger Monate bin ich aus dem Handel ausgestiegen. Die Entscheidung kam nicht plötzlich, denn ich hatte schon lange darüber nachgedacht, zu wechseln. Neben der Herstellung von Pickles habe ich auch einen kleinen Laden eröffnet. Ich werde auch den Pilzanbau und Backen lernen. Anderen, die immer noch Teil des Handels sind, möchte ich sagen, dass es mitfühlendere Geschäfte gibt.“
Im Kampf gegen den Hundefleischhandel
Die geretteten Hunde wurden sicher in Tierheime in Assam gebracht, wo sie tierärztlich untersucht, behandelt, rehabilitiert und sozialisiert werden, bevor sie in liebevolle und sichere Zuhause vermittelt werden.
Humane World for Animals arbeitet in ganz Asien daran, den Hunde- und Katzenfleischhandel zu beenden. In Indien, Südkorea, Vietnam, Indonesien und China setzt sich die Tierschutzorganisation für dauerhaften Wandel ein, durch Gesetzgebung, Arbeit mit Gemeinden, Tierrettungen, Tollwutimpfungen und Programme für den Übergang zu alternativen Lebensgrundlagen. Dabei arbeitet Humane World for Animals sowohl direkt als auch gemeinsam mit lokalen Partnern.
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Fotos des Hundefleischhandels können hier heruntergeladen werden.
Hochauflösende Videoaufnahmen der Rettung aus dem Hundefleischhandel sind hier verfügbar.