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80.000 EU-Bürger*innen unterzeichnen Brief an EU-Kommissar Várhelyi und fordern ein EU-weites Verbot der Pelztierzucht

Fox on a fur farm
HSI

BERLIN/BRÜSSEL – Ein von mehr als 80.000 EU-Bürger*innen unterzeichneter Brief wurde heute in Brüssel von Humane World for Animals Europe (ehemals Humane Society International) an EU-Kommissar Olivér Várhelyi übergeben. Darin wird ein EU-weites Verbot der Pelztierhaltung und des Verkaufs von Pelzprodukten in der Europäischen Union gefordert. Die Einreichung, deren Unterschriften in nur vier Monaten gesammelt wurden, folgt auf die historische Europäische Bürgerinitiative „Fur Free Europe“, die mehr als 1,5 Millionen validierte Unterschriften aus der EU erreichte.

Der Brief, der formell an Herrn Várhelyi, EU-Kommissar für Gesundheit und Tierschutz, gerichtet ist, fordert die Europäische Kommission auf, im Einklang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und der öffentlichen Meinung zu handeln und sich zur Einführung entsprechender Gesetzge zu verpflichten. Im Juli 2025 veröffentlichte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ihre wissenschaftliche Stellungnahme, in der sie zu dem Schluss kam, dass die Pelztierhaltung in der gesamten EU die grundlegenden Tierschutzanforderungen für Nerze, Füchse, Marderhunde und Chinchillas nicht erfüllt. Die EFSA stellte fest, dass die Haltung von Pelztieren in Käfigen unzureichender Größe und Komplexität unter kargen Bedingungen, die die Bewegungsfreiheit stark einschränken, ernsthafte chronische Tierschutzprobleme verursacht, einschließlich Unterdrückung lebenswichtiger Verhaltensweisen, Stress, Verletzungen und Gesundheitsstörungen.

Dr. Joanna Swabe, Senior Director für Public Affairs bei Humane World for Animals Europe, sagt: „Bürger*innen in ganz Europa haben eine klare und einheitliche Botschaft übermittelt: Pelztierhaltung ist veraltet, unethisch und grundsätzlich unvereinbar mit modernen Werten der EU. Mit 80.000 zusätzlichen heute eingereichten Unterschriften – zusätzlich zu den 1,5 Millionen der Europäischen Bürgerinitiative – könnte der Handlungsaufruf nicht deutlicher sein. Dies ist ein entscheidender Moment für EU-Kommissar Várhelyi und seine Kolleg*innen, um echten und nachhaltigen Wandel voranzutreiben. Humane World for Animals ist bereit, konstruktiv mit der Kommission zusammenzuarbeiten, um einen starken und wirksamen Gesetzesvorschlag zu unterstützen, der der Pelztierhaltung und dem Pelzhandel in der EU ein Ende setzt.“

In ganz Europa wächst die öffentliche Ablehnung der Pelztierhaltung weiter, aufgrund von Tierschutzbedenken, Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit Pelztierfarmen und umweltbezogenen Aspekten. 18 EU-Mitgliedstaaten haben bereits nationale Verbote der Pelztierhaltung eingeführt, während andere Schritte unternommen haben, um die Praxis einzuschränken. Trotz dessen werden weiterhin mehr als 6 Millionen Nerze, Füchse, Marderhunde und andere Tiere in kleinen Drahtkäfigen auf fast 1.200 Pelztierfarmen in EU-Ländern wie Finnland, Polen, Dänemark, Spanien und Griechenland gehalten.

Humane World for Animals setzt sich weltweit für ein Ende des Pelztierhandels ein. Die Organisation konzentriert sich dabei auf Großbritannien, Europa, Nordamerika und China. Die Arbeit umfasst Kampagnen gegenüber Regierungen, Industrie und Unternehmen, Kooperationen mit Designer*innen und Modemarken, verdeckte Recherchen sowie Aufklärungskampagnen. So konnte die Zahl der von diesem grausamen Handel betroffenen Tiere immer weiter verringert werden.

Fakten zu Pelz:  

  • Gesundheitsrisiko: Pelztierfarmen stellen ein Risiko für Zoonosen dar. Auf fast 500 Nerzfarmen in 13 Ländern in Europa und Nordamerika wurden Tiere mit COVID-19 infiziert, Millionen wurden aus Gründen des Infektionsschutzes getötet. Auch das aviäre Influenzavirus (HPAI H5N1) wurde bisher auf 72 europäischen Pelztierfarmen festgestellt. Etwa 500.000 Nerze, arktische Füchse, Rotfüchse und Marderhunde wurden deshalb getötet. 

  • Umweltbelastung laut Studie: Die CO₂-Bilanz von 1 kg Nerzpelz (309,91 kg CO₂-Äquivalent) ist 31-mal höher als die von Baumwolle, 26-mal höher als Acryl und 25-mal höher als Polyester. Auch Marderhund- und Fuchspelz haben eine extrem schlechte Klimabilanz – bis zu 23-mal schlechter als Baumwolle. 

  • Mode ohne Pelz: Immer mehr führende Modemarken verzichten auf Pelz – darunter auch zahlreiche deutsche Marken wie Karl Lagerfeld, Hugo Boss, adidas, Puma, Mustang, VAUDE, s.Oliver, Jack Wolfskin oder Zalando sowie internationale Marken wie Max Mara, Saint Laurent, Gucci, Alexander McQueen, Balenciaga, Valentino, Prada, Armani, Versace, Michael Kors, Jimmy Choo, DKNY, Burberry und Chanel. Weltweit haben sich bereits über 1.600 Marken und Einzelhändler zu einer pelzfreien Unternehmenskultur verpflichtet. Pelz wird zunehmend als nicht mehr verkäuflich und ethisch nicht vertretbar wahrgenommen – viele Modehäuser setzen daher heute auf innovative, tierfreundliche Alternativen. 

  • Fashion Weeks wie in Kopenhagen, London und New York haben den Einsatz von Pelz bei ihren Events bereits gestrichen, und Verlage von Titeln wie Vogue, Elle, GQ, Harper’s Bazaar, Glamour, Esquire und Vanity Fair haben sich zu pelzfreien Unternehmensrichtlinien verpflichtet. 

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