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Zehn Hunde gerettet: Zwei Händler auf der Insel Timor (Indonesien) verlassen den Hundefleischhandel

Humane World for Animals, Jakarte Animal Aid Network und die lokale Regierung sagen: Der Hundefleischhandel gefährdet das Tierwohl und die Tollwutbekämpfung 

Indonesia dog meat slaughterhouse, pre-closure.

Forddhanto Bimantoro

BERLIN/KUPANG, Indonesien - Der Betreiber eines Hundeschlachthauses und der Besitzer eines Hundefleischrestaurants in der Provinz Nusa Tenggara Timur (NTT), Indonesien, haben ihre Geschäfte endgültig geschlossen. Zusammen haben beide mehr als 45 Jahre lang Hunde geschlachtet oder zum Verzehr serviert. Auslöser für den Ausstieg war eine lokale Initiative mit dem Ziel, den Hundefleischhandel zu beenden. Die Händler haben dafür mit Humane World for Animals (ehemals Humane Society International) im Rahmen des „Models for Change“-Programms zusammengearbeitet. Dieses Programm hat auch schon Menschen in Südkorea, Vietnam und Indien geholfen, den Hunde- und Katzenfleischhandel zu verlassen und auf nachhaltigere Lebensgrundlagen umzusteigen, die weder das Tierwohl noch die menschliche Gesundheit gefährden. Zehn Hunde, die lebend im Schlachthaus gefunden wurden, wurden außerdem von Humane World for Animals und dem lokalen Partner Jakarta Animal Aid Network (JAAN) gerettet.

Die Provinz NTT ist ein Hotspot des Hundefleischhandels. Tausende Hunde werden jedes Jahr von Straßen und aus Häusern in NTT und den benachbarten Provinzen gestohlen und in großer Zahl transportiert. Neben der extremen Grausamkeit fördert dieser massenhafte Transport von Hunden mit unbekanntem Krankheitsstatus die Ausbreitung der tödlichen Tollwut in NTT, die hauptsächlich durch Hundebisse übertragen wird. NTT meldet einige der höchsten Tollwutzahlen im Land, mit 78 bestätigten Fällen bei Menschen im Jahr 2025.

Das „Models for Change“-Programm wird in Zusammenarbeit mit der Provinzregierung von NTT umgesetzt. Vertreter*innen der Regierung nahmen an den Schließungen teil. Das Programm unterstützt das Ziel der Regierung, NTT bis 2030 zu einer tollwutfreien Provinz zu machen.

Julie Sanders, Campaign Director, Hunde- und Katzenfleischhandel stoppen, bei Humane World for Animals, die ebenfalls bei der Schließung anwesend war, sagt: „Jeder Hunde- oder Katzenfleischbetrieb, der im Rahmen von ‚Models for Change‘ schließt, trägt dazu bei, den grausamen Handel abzuschaffen, das Tierwohl und die Menschen im ganzen Land vor dem Risiko der Tollwutübertragung zu schützen. Die meisten Menschen in Indonesien essen keine Hunde und Katzen und im ganzen Land wächst die Bewegung, um diesen Handel zu beenden.

Rund 1 Million Hunde erleiden jedes Jahr unvorstellbares Leid für den indonesischen Hundefleischhandel. Die zehn Hunde, die wir hier gerettet haben, waren sehr nah daran, Teil dieser schrecklichen Statistik zu werden. Zum Glück bekommen sie jetzt die Liebe und die tierärztliche Versorgung, die sie brauchen, um sich zu erholen, bevor sie auf die Suche nach liebevollen Familien gehen.“

Humane World for Animals und JAAN unterstützten die beiden Händler in der Stadt Kupang mit einer einmaligen Förderung, damit sie ein neues Geschäft aufbauen können. Herr Petrus Boly, der mehr als 15 Jahre lang ein Hundeschlachthaus betrieben hat, plant, einen kleinen Laden (oder „Warung“) zu eröffnen, der Dinge des täglichen Bedarfs wie Reis, Seife und Haushaltsartikel verkauft. Der Besitzer des Hundefleischrestaurants, Herr Akim, der Hundefleisch von Herrn Boly kaufte und es seinen Gästen servierte, plant den Verkauf von Baumaterialien. Beide Männer haben ihr Ziel erreicht und den Hundefleischhandel verlassen, dank finanzieller Unterstützung und Hilfe bei der Geschäftsplanung durch Humane World for Animals und JAAN.

Herr Boly sagt: „Wenn ich an die Tausenden Hunde denke, die ich in den letzten 15 Jahren oder länger getötet habe, macht mich das sehr traurig und ich bin sehr froh, diesen Handel zu verlassen. Ich weiß, dass das Schlachten von Hunden auch aufgrund von Tollwut gefährlich ist, deshalb kam diese Chance genau zum richtigen Zeitpunkt in meinem Leben. Ich freue mich jetzt darauf, meinen kleinen Laden zu eröffnen, in dem ich alles verkaufe, was unsere Gemeinschaft braucht - aber kein Hundefleisch mehr! Ich hoffe sehr, dass die zehn geretteten Hunde ein glückliches Leben in Familien haben werden, die sich um sie kümmern.“

Herr Akim sagt: „Früher habe ich jeden Tag etwa fünf Hunde geschlachtet, um sie in meinem Restaurant zu kochen. Aber nach einem großen Tollwutausbruch in der Stadt Kupang im Jahr 2023 ist die Nachfrage stark zurückgegangen. Meine Familie wollte schon seit einiger Zeit, dass ich diesen Handel aufgebe, und ich habe mir immer mehr Sorgen über den Zusammenhang zwischen dem Hundefleischhandel und der Ausbreitung der Tollwut gemacht, die hier ein großes Problem ist. Ohne das ‚Models for Change‘-Programm hätte ich diesen Schritt aber nicht machen können, deshalb bin ich sehr dankbar dafür. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich eine bessere Zukunft für mich und meine Familie habe.“

Humane World for Animals und JAAN hoffen, dass die Schließungen und die Rettung der Hunde mehr Mitgefühl für Tiere in der breiteren Öffentlichkeit  fördern und gleichzeitig das Bewusstsein für die Risiken für die öffentliche Gesundheit im Zusammenhang mit dem Hundefleischhandel erhöhen. Wenn die öffentliche Nachfrage nach einem Ende des Handels steigt, wird die lokale Regierung in einer stärkeren Position sein, ein Verbot in ganz NTT einzuführen.

Dr. Melky Angsar, der beim Amt für Tierhaltung in Nusa Tenggara Timur für Tiergesundheit und tierärztliche öffentliche Gesundheit zuständig ist, nahm ebenfalls an den Schließungen teil und sagt: „Der Hundefleischhandel stellt wegen der Ausbreitung der Tollwut eine bedeutende und ernsthafte Gefahr für die öffentliche Gesundheit unserer Gemeinschaften hier in NTT dar. Ohne den Hundefleischhandel werden die Menschen hier sicherer und gesünder sein. Projekte wie ‚Models for Change‘ machen das möglich, indem sie einen praktischen Weg bieten, Menschen aus diesem Handel herauszuführen und ihnen und ihren Familien eine nachhaltige Zukunft zu ermöglichen.“

Nach den Schließungen wurden die zehn geretteten Hunde zur Kupang Animal Clinic gebracht, wo sie Impfungen und tierärztliche Versorgung erhielten. Nach einer Quarantänezeit werden sie in das Tierheim von JAAN in Bogor in Westjava geflogen, wo sie sich körperlich und emotional vollständig erholen können, bevor für sie lokale Adoptivfamilien gefunden werden.

Karin Franken, Direktorin von JAAN, sagt: „Diese Schließungen zeigen, dass Menschen bereit und motiviert sind, den grausamen und gefährlichen Hundefleischhandel zu verlassen, wenn sie finanzielle und geschäftliche Unterstützung erhalten. Mit diesen Schließungen haben wir nicht nur zehn Hunde aus der Gefahr gerettet, sondern auch dafür gesorgt, dass Tausende weitere an diesen Orten nicht mehr leiden und sterben müssen. Programme wie dieses, zusammen mit Gesetzen und deren Durchsetzung, werden den Hunde- und Katzenfleischhandel in Indonesien endgültig beenden.“

Humane World for Animals arbeitet in ganz Asien daran, den Hunde- und Katzenfleischhandel zu beenden. In Südkorea, Vietnam, Indonesien, China und Indien setzt sich die Organisation dafür ein, Gesetze zu verändern, Gemeinden einzubinden, Tollwutimpfungen durchzuführen, Tiere zu retten und Programme für einen Wechsel der Lebensgrundlage zu implementieren, sowohl direkt vor Ort als auch gemeinsam mit lokalen Partnern. 

Fakten

  • Kupang liegt im westlichen Teil der Provinz Nusa Tenggara Timur. Die Stadt befindet sich an der nordwestlichen Küste der Insel Timor und ist die Hauptstadt der Provinz Ost-Nusa Tenggara. Kupang ist das wichtigste Verwaltungs-, Wirtschafts- und Verkehrszentrum der Provinz, mit einem Flughafen und einem Seehafen, die Verbindungen zu anderen Teilen Indonesiens ermöglichen.

  • Der massenhafte Transport ungeimpfter Hunde für den menschlichen Verzehr erleichtert die Ausbreitung der Tollwut, untergräbt die Krankheitsüberwachung und bringt infizierte Hunde in Gebiete, die zuvor frei von Tollwut waren. Hundediebe entfernen außerdem geimpfte Hunde aus den Gemeinschaften und zerstören so die sogenannte Herdenimmunität, die erreicht wird, wenn mindestens 70 Prozent der Hunde in einem Gebiet geimpft sind. Herdenimmunität hilft, die Ausbreitung von Tollwut zu stoppen.

  • Der Gesetzentwurf zum Schutz und Wohl von Tieren, der im September 2025 eingebracht wurde, hat parteiübergreifende Unterstützung erhalten, darunter von der Fraktion der Golkar Party, der Fraktion der National Democratic Party, der Fraktion der National Mandate Party und der Fraktion der Indonesian Democratic Party of Struggle.

  • Eine Meinungsumfrage des Instituts Nielsen aus dem Januar 2021, die von DMFI in Auftrag gegeben wurde, zeigte, dass 93 Prozent der Indonesier*innen ein nationales Verbot von Hundefleisch unterstützen und nur 5 Prozent jemals Hundefleisch konsumiert haben.

Fotos und Videos der Schließungen und der Rettung stehen hier zur Verfügung.  

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