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Appell an deutsche Island-Reisende: Kein Walfleisch im Urlaub

Reisende aus Deutschland stellen die drittgrößte Gruppe ausländischer Besucher*innen in Island

Fin whale

Karim Iliya

BERLIN/REYKJAVÍK – Fast 146.000 Tourist*innen aus Deutschland reisen jedes Jahr nach Island. Damit stellen die Deutschen die drittgrößte Gruppe ausländischer Island-Besucher*innen. Obwohl weniger als 2 % der Isländer*innen Walfleisch essen, wird es den 2,3 Millionen ausländischen Tourist*innen pro Jahr dennoch fälschlicherweise als isländische Delikatesse angepriesen. Um dem entgegenzuwirken, rufen Humane World for Animals (ehemals Humane Society International) und die isländische Tierschutzorganisation Hvalavinir Whale Friends die Kampagne „For the Love of Iceland“ ins Leben. Diese soll Urlauber*innen dazu ermutigen, im Urlaub kein Walfleisch zu essen – und stattdessen die Tiere in freier Wildbahn rundum Island zu erleben. Tourist*innen werden gebeten, ein „#fortheloveoficeland-Versprechen“ abzugeben, um ihre Unterstützung zu zeigen.

Walfleisch gehört nicht zur isländischen Kultur

Hvalavinir hat dafür Karten mit dem #fortheloveoficeland-Vesprechen in Hotels und Touristeninformationszentren in ganz Island ausgelegt. Zudem gibt es die Möglichkeit, das Versprechen online abzugeben. Damit wird Urlauber*innen deutlich gemacht: Walfleisch gehört nicht zur isländischen Kultur. Wer Islands Tierwelt respektieren und schützen will, sollte darauf verzichten – und auch keine Restaurants besuchen, die es servieren.

Sylvie Kremerskothen Gleason, Country Director bei Humane World for Animals Deutschland, sagt: „Deutsche Urlauber*innen stellen die drittgrößte Gruppe unter Islands Tourist*innen dar – das bringt nicht nur Verantwortung mit sich, sondern auch die Chance, echten Wandel zu bewirken. Wenn wir uns bewusst gegen den Konsum von Walfleisch entscheiden, setzen wir ein klares Zeichen für den Schutz dieser faszinierenden und bedrohten Tiere. Wer Island liebt, schützt seine Natur – und zeigt mit dem #fortheloveoficeland-Versprechen, dass Wale in den Ozean gehören, nicht auf den Teller.“

Tiere müssen bei der Jagd lange leiden

Island ist eines von nur drei Ländern weltweit – neben Norwegen und Japan – das den kommerziellen Walfang weiterhin betreibt. Für die Jahre 2025–2029 wurden erneut Fanglizenzen für gefährdete Finnwale und Zwergwale erteilt, obwohl es eindeutige Hinweise gibt, dass manche Tiere bei der Jagd in Island lange leiden mussten – ein Verstoß gegen das isländische Tierschutzgesetz.

Valgerður Árnadóttir von Hvalavinir Whale Friends sagt: „Island ist bekannt für seine atemberaubende Natur und seine einzigartige Tierwelt. Wale zu töten gehört nicht zur isländischen Kultur. Die erste Walfangfirma in Island entstand erst 1948. Unsere Kultur fußt vielmehr auf dem Respekt vor Walen und dem Meer. Gemeinsam mit Humane World for Animals fordern wir deshalb ausländische Besucher*innen auf: Statt Walfleisch zu probieren, erlebt Island authentisch – beobachtet Wale in ihrer natürlichen Umgebung. Es gibt viele ethische ‚Whale Watching‘-Touren, bei denen man Wale in freier Wildbahn erleben kann.“

Top 10 Liste der Herkunftsländer ausländischer Tourist*innen (laut isländischen Daten zum Auslandstourismus):

  • USA
  • UK
  • Deutschland
  • China
  • Polen
  • Frankreich
  • Italien
  • Kanada
  • Spanien
  • Niederlande

So können Deutsche helfen

Deutsche Tourist*innen können das #fortheloveoficeland-Versprechen online oder vor Ort in Island abgeben – und zwar so:

  • Eine Karte mit dem #fortheloveoficeland-Versprechen in Hotels oder Touristeninformationszentren mitnehmen.
  • Die Karte an einem Lieblingsort in Island oder bei einem walfreundlichen Erlebnis hochhalten.
  • Ein Foto machen und auf Social Media posten – mit den Tags:
  • @Hvalavinir @HumaneWorldForAnimalsDeutschland #ForTheLoveOfIceland #WildlifeFriendlyIceland.

Fakten zum Walfang:

  • Früher war Japan der größte Abnehmer von isländischem Walfleisch, doch der Export dorthin wurde eingestellt. Der Grund: Japan hat selbst ein Lager mit ungenutztem Walfleisch – es fehlt an Nachfrage. Zudem betreibt Japan inzwischen wieder verstärkt eigenen Walfang.
  • Der Großteil des Finnwalfleischs, das in Islands Touristen-Restaurants angeboten wird, stammt heute aus Norwegen – obwohl Island in den vergangenen 23 Jahren selbst über 1.500 Wale getötet hat.
  • 2024 erteilte eine Übergangsregierung kurzfristig Lizenzen für den Fang eines Finn- und eines Zwergwals – kurz vor der isländischen Parlamentswahl. Obwohl die danach gewählte Regierung dem Walfang deutlich kritischer gegenübersteht, kann sie diese Lizenzen gesetzlich nicht zurückziehen.
  • Eine aktuelle Umfrage aus dem Jahr 2025 zeigt: 51 % der Isländer*innen lehnen die von der Übergangsregierung erteilten Walfanglizenzen ab.
  • Island trat 1992 aus der Internationalen Walfangkommission (IWC) aus, trat 2002 aber wieder bei – mit einer sogenannten „Ausnahme“, die es erlaubt, das weltweite Verbot des kommerziellen Walfangs zu umgehen. Seither ignoriert Island das Verbot und untergräbt sowohl die IWC als auch CITES, das den Handel mit Walprodukten einschränkt. Seit dem Wiedereintritt hat Island über 1.500 Wale getötet, darunter auch gefährdete Finnwale. Im Jahr 2018 waren unter den 146 getöteten Finnwalen eine trächtige Walmutter sowie ein seltener Finn-Blauwal-Hybrid. Zusätzlich wurden sechs Zwergwale getötet.
  • 2023 stellte die isländische Lebensmittel- und Veterinärbehörde in einem wegweisenden Bericht fest, dass kommerzieller Walfang gegen das nationale Tierschutzgesetz verstößt. Die Auswertung von Videoaufnahmen an Bord zeigte: 41 % der Wale starben erst nach durchschnittlich 11,5 Minuten – einige sogar erst nach bis zu zwei Stunden. Mehr als ein Viertel musste zwei Mal harpuniert werden, bevor sie starben. Die meisten getöteten Wale (73 %) waren weiblich – darunter 11 trächtige Tiere und eine säugende Mutter, deren Kalb ohne sie verendet sein dürfte.

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Passendes Bildmaterial zum Walfang in Island ist verlinkt. 

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